Kurzantwort
Ein Private-AI-Assistent ist ein KI-Assistent, dessen Sprachmodell und Datenverarbeitung innerhalb einer bewusst gewählten Infrastrukturgrenze betrieben werden: auf eigenen Servern, in einem Colocation-Rechenzentrum oder bei einem Anbieter mit Verarbeitung in der EU. Eingaben, Dokumente und Protokolle verlassen diese Grenze nicht, und die Daten werden nicht für das Training fremder Modelle verwendet.
Entscheidend ist nicht der Betriebsort allein, sondern die Zuordnung von Datenklassen zu Umgebungen. Für jede Klasse wird festgelegt, wo sie verarbeitet werden darf, wer darauf zugreift und wie lange Protokolle gespeichert werden. Gemessen wird der Assistent an Qualität, Antwortzeit und Kosten innerhalb der jeweiligen Datenklasse.
Infografik
So bleibt eine Anfrage innerhalb der Grenze
- 01Eingang
Anfrage stellen
Beschäftigte fragen über Chat, Fachanwendung oder Dokumentenablage mit ihrem Unternehmenskonto.
- 02System
Datenklasse prüfen
Das Gateway ordnet Anfrage und Quellen einer Klasse zu und wählt die zulässige Umgebung.
- 03System
Kontext laden
Nur Dokumente, auf die die Person ohnehin Zugriff hat, werden als Kontext bereitgestellt.
- 04KI
Lokale Inferenz
Das freigegebene Modell erzeugt Antwort oder Entwurf mit Quellenverweisen.
- 05Mensch
Prüfen & nutzen
Die Person prüft das Ergebnis und entscheidet über die Weiterverwendung.
Wann sich ein eigener Betrieb lohnt
Viele Unternehmen nutzen KI-Dienste großer Anbieter mit Unternehmensverträgen, und für zahlreiche Aufgaben ist das angemessen. Es gibt jedoch Datenbestände, bei denen eine Verarbeitung außerhalb der eigenen Kontrolle nicht in Frage kommt: Personalakten, Gesundheitsdaten von Beschäftigten, unveröffentlichte Konstruktionsunterlagen, Angebotskalkulationen oder Daten, für die Kundenverträge eine bestimmte Verarbeitungsumgebung vorschreiben.
Die Datenschutzkonferenz unterscheidet in ihrer Orientierungshilfe zu KI und Datenschutz zwischen geschlossenen und offenen Systemen. Bei geschlossenen Systemen findet die Verarbeitung in einer eingegrenzten, technisch abgeschlossenen Umgebung statt, der Nutzerkreis ist begrenzt, und Eingaben werden nicht vom Anbieter zum Training verwendet. Technisch geschlossene Systeme bezeichnet die DSK aus datenschutzrechtlicher Sicht als vorzugswürdig. Ein Private-AI-Assistent ist die praktische Umsetzung dieses Gedankens.
Datenklassen als Grundlage jeder Entscheidung
Bevor über Hardware oder Modelle gesprochen wird, braucht es eine einfache Datenklassifizierung. Bewährt haben sich drei bis vier Klassen, etwa öffentlich, intern, vertraulich und streng vertraulich. Für jede Klasse wird festgehalten, welche Umgebungen zulässig sind: Öffentliche und interne Inhalte dürfen gegebenenfalls über einen vertraglich abgesicherten Cloud-Dienst laufen, vertrauliche nur in einer EU-gehosteten Umgebung, streng vertrauliche nur lokal.
Diese Zuordnung setzt das Gateway technisch um. Es erkennt die Klasse anhand von Ablageort, Metadaten oder Kennzeichnung und lässt eine Anfrage nur an Modelle durch, die für diese Klasse freigegeben sind. So können Beschäftigte mit einer gemeinsamen Oberfläche arbeiten, ohne selbst entscheiden zu müssen, welches System für welche Information zulässig ist.
- Öffentlich: Website-Texte, veröffentlichte Produktinformationen
- Intern: Prozessbeschreibungen, interne Richtlinien
- Vertraulich: Verträge, Kalkulationen, Kundendaten
- Streng vertraulich: Personal- und Gesundheitsdaten, Konstruktionsgeheimnisse
Lokal, Colocation oder EU-Cloud
Beim lokalen Betrieb steht der Inferenzserver im eigenen Haus. Das gibt volle Kontrolle, verlangt aber Investitionen in GPU-Hardware, Stromversorgung, Kühlung und Betriebswissen. Colocation verlagert die Hardware in ein Rechenzentrum, bleibt aber unter eigener Verwaltung. Bei EU-gehosteten Angeboten betreibt ein Dienstleister die Modelle in Rechenzentren innerhalb der EU; hier sind Auftragsverarbeitungsvertrag, Unterauftragnehmer und die Frage eines möglichen Zugriffs aus Drittstaaten zu prüfen.
Technisch ähneln sich die Varianten stärker, als man vermuten würde. Verbreitete Open-Source-Inferenzserver wie vLLM stellen eine Schnittstelle bereit, die mit der Chat-Completions-API von OpenAI kompatibel ist. Anwendungen, die gegen diese Schnittstelle entwickelt wurden, lassen sich dadurch mit überschaubarem Aufwand zwischen lokalem Betrieb und gehostetem Dienst umstellen. Das ist die Voraussetzung für einen definierten Modellwechsel.

Offene Modelle auswählen und wechseln
Für den eigenen Betrieb kommen Modelle mit veröffentlichten Gewichten in Frage, die von verschiedenen Herstellern und Forschungseinrichtungen bereitgestellt werden. Sie unterscheiden sich in Größe, Sprachfähigkeit, Lizenzbedingungen und Hardwarebedarf. Weil sich das Angebot schnell verändert, sollte die Auswahl nicht an einen Modellnamen gebunden werden, sondern an eine eigene Evaluation: ein fester Satz typischer Aufgaben aus dem Unternehmen mit erwarteten Ergebnissen.
Bei jedem Kandidaten werden dieselben Aufgaben ausgeführt und Antwortqualität, Antwortzeit und Ressourcenbedarf festgehalten. Die Lizenz wird vor dem Einsatz geprüft, denn nicht jede Modelllizenz erlaubt jede kommerzielle Nutzung. Ein neues Modell ersetzt das bisherige nur, wenn es die Evaluation mindestens gleich gut besteht; der Wechsel wird dokumentiert und lässt sich zurückdrehen.
Sicherheit, Rechte und getrennte Protokolle
Ein eigener Betrieb schützt nicht automatisch. Der Assistent darf nur auf Dokumente zugreifen, die die anfragende Person auch selbst öffnen dürfte; dafür werden die Berechtigungen der Quellsysteme durchgereicht, statt einen Generalzugang einzurichten. Das BSI weist in seinen Veröffentlichungen zu generativer KI darauf hin, dass solche Modelle neuartige IT-Sicherheitsrisiken mit sich bringen und bekannte Bedrohungen verstärken können, und empfiehlt eine systematische Risikoanalyse.
Protokolle werden nach Zweck getrennt: technische Betriebsdaten für Stabilität und Kapazitätsplanung, inhaltliche Protokolle nur dort, wo sie für Qualitätssicherung notwendig und vereinbart sind. Die DSK empfiehlt, Beschäftigten Wahlmöglichkeiten zur Speicherung ihrer Eingabehistorie zu geben und betriebliche Accounts bereitzustellen. Aufbewahrungsfristen und Zugriffsrechte auf Protokolle gehören in die Dokumentation.
Architektur
Schichten eines Private-AI-Assistenten
Ebene 1
Zugang
- Single Sign-on
- Chat-Oberfläche
- Fachanwendungen
- Programmierschnittstelle
Ebene 2
Gateway
- Datenklassenregel
- Modell-Routing
- Rechteprüfung
- Getrennte Logs
Ebene 3
Modellbetrieb
- Inferenzserver
- Offenes Sprachmodell
- Embedding-Modell
- GPU-Ressourcen
Ebene 4
Datenquellen
- Dokumentenablage
- Fachsysteme
- Wissensindex
- Lokale Datenbanken
7 Punkte
7 Entscheidungen vor dem ersten Private-AI-Pilot
Diese Entscheidungen bestimmen Aufwand, Risiko und Nutzen stärker als die Wahl einer bestimmten Hardware.
- 01
Datenklassen festlegen
Ohne Klassifizierung lässt sich nicht begründen, warum eine Anfrage lokal und eine andere in der Cloud laufen darf.
- 02
Pilotaufgabe eng wählen
Ein Assistent für Vertragsrecherche in einer Abteilung ist messbar. Ein allgemeiner Chat für alle ist es kaum.
- 03
Evaluationssatz erstellen
Typische Aufgaben mit erwarteten Ergebnissen sind der Maßstab für Modellwahl und spätere Wechsel.
- 04
Gateway vor Modell
Rechteprüfung, Routing und Protokolle gehören in eine eigene Schicht. Modelle bleiben austauschbar.
- 05
Berechtigungen durchreichen
Der Assistent sieht nur, was die anfragende Person sehen darf. Ein Dienstkonto mit Vollzugriff hebelt die Grenze aus.
- 06
Betriebsverantwortung klären
Updates, Überwachung und Störungsbehebung brauchen eine zuständige Stelle, intern oder beim Dienstleister.
- 07
Rückfallweg definieren
Fällt der lokale Server aus, muss klar sein, ob Arbeit pausiert oder auf eine freigegebene Alternative ausweicht.
Gegenüberstellung
Cloud-Dienst, EU-Hosting oder lokaler Betrieb?
Die drei Varianten schließen sich nicht aus. Häufig werden sie je nach Datenklasse kombiniert.
| Kriterium | Globaler Cloud-Dienst | EU-gehostetes Modell | Lokaler Betrieb |
|---|---|---|---|
| Kontrolle über Daten | Vertraglich geregelt | Vertraglich, Verarbeitung in der EU | Vollständig im eigenen Haus |
| Modellauswahl | Modelle des Anbieters | Auswahl des Hosters | Freie Wahl offener Modelle |
| Einstiegsaufwand | Gering | Gering bis mittel | Hoch: Hardware und Betrieb |
| Laufende Kosten | Nutzungsabhängig | Nutzungs- oder kapazitätsabhängig | Fixkosten für Hardware und Personal |
| Prüfpunkte Datenschutz | AV-Vertrag, Drittlandtransfer, Training | AV-Vertrag, Unterauftragnehmer | Eigene TOM, Zugriffsrechte, Protokolle |
| Geeignete Datenklassen | Öffentlich, intern | Bis vertraulich | Bis streng vertraulich |
Die Zuordnung der Datenklassen ist ein Beispiel. Sie muss im Unternehmen mit Datenschutz und Informationssicherheit festgelegt werden.
Praxis
Drei typische Einsatzszenarien
Szenario 1
Personalabteilung mit vertraulichen Unterlagen
- Ausgangslage
- Die Personalabteilung möchte Fragen zu Betriebsvereinbarungen, Tarifregelungen und internen Richtlinien schneller beantworten. Die Unterlagen gelten als streng vertraulich.
- Ansatz
- Ein lokal betriebener Assistent durchsucht nur die freigegebene Personalablage und beantwortet Fragen mit Verweis auf die jeweilige Fundstelle.
- Kontrolle
- Zugriff nur für die Personalabteilung. Entscheidungen über einzelne Beschäftigte trifft der Assistent nicht.
Akzeptierte Antworten mit gültiger Fundstelle und durchschnittliche Antwortzeit
Szenario 2
Konstruktionsbüro mit Geheimhaltungspflichten
- Ausgangslage
- Kundenverträge untersagen die Verarbeitung von Konstruktionsdaten außerhalb der eigenen Infrastruktur. Trotzdem sollen technische Dokumentationen zusammengefasst und verglichen werden.
- Ansatz
- Ein Inferenzserver im eigenen Rechenzentrum verarbeitet Spezifikationen und Prüfberichte. Die Fachanwendung spricht ihn über die kompatible Schnittstelle an.
- Kontrolle
- Keine Verbindung nach außen, Protokolle nur für den Betrieb, monatliche Evaluation mit festen Testaufgaben.
Qualität der Zusammenfassungen laut Fachprüfung je Dokumententyp
Szenario 3
Dienstleister mit gemischten Datenklassen
- Ausgangslage
- Ein Beratungsunternehmen nutzt KI für Recherche, Textentwürfe und Kundenunterlagen. Nur ein Teil der Inhalte ist vertraulich.
- Ansatz
- Ein Gateway leitet öffentliche und interne Anfragen an einen Cloud-Dienst, vertrauliche Kundendaten an ein EU-gehostetes Modell.
- Kontrolle
- Die Klassenzuordnung erfolgt über den Ablageort. Unklassifizierte Inhalte werden wie vertrauliche behandelt.
Kosten je Anfrage und Qualität je Datenklasse im Vergleich
Checkliste
Vor dem Aufbau prüfen
- Eine Datenklassifizierung mit zulässigen Umgebungen ist beschlossen
- Die Pilotaufgabe und die beteiligte Abteilung sind festgelegt
- Ein Evaluationssatz mit typischen Aufgaben liegt vor
- Die Modelllizenz erlaubt die geplante Nutzung
- Hardware- oder Hosting-Kapazität ist für die erwartete Last geplant
- Berechtigungen der Quellsysteme lassen sich durchreichen
- Aufbewahrung und Zugriff auf Protokolle sind geregelt
- Betrieb, Updates und Rückfallweg haben eine zuständige Stelle
- Datenschutzbeauftragte und gegebenenfalls Betriebsrat sind eingebunden
Vermeiden
Typische Fehler
Lokal mit sicher gleichsetzen
Ein eigener Server ohne Rechtekonzept, Patchmanagement und Protokollregeln kann riskanter sein als ein gut abgesicherter Dienst.
Modellwahl nach Bestenliste
Öffentliche Ranglisten messen allgemeine Fähigkeiten. Ob ein Modell deutsche Fachtexte des eigenen Unternehmens gut verarbeitet, zeigt nur die eigene Evaluation.
Hardware zu früh kaufen
Wer vor der Evaluation investiert, legt sich auf Modellgrößen fest. Ein Test bei einem EU-Hoster klärt zuerst Bedarf und Qualität.
Schatten-KI nicht ersetzen
Ist der interne Assistent langsam oder umständlich, weichen Beschäftigte auf private Dienste aus. Nutzbarkeit gehört zu den Pilotzielen.
Weiterführend
- KI-Readiness-Check: hilft einzuschätzen, ob Datenlage und Betriebsorganisation für einen eigenen KI-Betrieb reichen.
- KI-Potenzialanalyse: identifiziert Prozesse, in denen sensible Daten heute den KI-Einsatz bremsen.
FAQ
Häufige Fragen: Private-AI-Assistent
Ist ein lokal betriebenes Modell automatisch DSGVO-konform?+
Nein. Der lokale Betrieb vermeidet Übermittlungen an Dritte, aber Zweckfestlegung, Rechtsgrundlage, technische und organisatorische Maßnahmen, Betroffenenrechte und gegebenenfalls eine Datenschutz-Folgenabschätzung bleiben erforderlich.
Sind offene Modelle so leistungsfähig wie große Cloud-Modelle?+
Das hängt von Aufgabe und Modellgröße ab. Für klar umrissene Aufgaben wie Zusammenfassen, Klassifizieren oder quellengebundene Antworten reichen offene Modelle oft aus. Eine verlässliche Aussage liefert nur der Test mit eigenen Beispielen.
Welche Hardware braucht man?+
Das richtet sich nach Modellgröße, Zahl gleichzeitiger Nutzer und gewünschter Antwortzeit. Deshalb empfiehlt sich zuerst ein Test bei einem Hosting-Anbieter, bevor eigene GPU-Server beschafft werden.
Kann man später das Modell austauschen?+
Ja, wenn Anwendungen über das Gateway und eine standardisierte Schnittstelle angebunden sind. Ein Wechsel erfolgt nach bestandener Evaluation, wird dokumentiert und lässt sich zurücknehmen.
Was bedeutet EU-Hosting konkret?+
Die Verarbeitung findet in Rechenzentren innerhalb der EU statt. Zu prüfen bleiben Auftragsverarbeitungsvertrag, Unterauftragnehmer, Speicherdauer von Eingaben und die Frage, ob Stellen außerhalb der EU Zugriff erhalten können.
Wie misst man den Erfolg?+
Je Datenklasse über Antwortqualität laut Fachprüfung, Antwortzeit und Kosten je Anfrage. Ergänzend zeigt die Nutzungsrate, ob der Assistent im Alltag tatsächlich angenommen wird.
Quellen
Quellen und weiterführende Dokumentation
- Orientierungshilfe Künstliche Intelligenz und Datenschutz, Version 1.0 · Datenschutzkonferenz (DSK) · Stand 6. Mai 2024
- Künstliche Intelligenz – Informationen und Empfehlungen, Generative KI · Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) · Stand 5. November 2026
- vLLM Documentation – Online Serving (OpenAI-compatible server) · vLLM Project · Stand 5. November 2026
- Verordnung (EU) 2016/679 (Datenschutz-Grundverordnung) · Amtsblatt der EU · Stand 4. Mai 2016
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